Hülsenfrüchte – Einblicke in Vielfalt, Nutzen und Geschichte – Teil 1

Über 20.000 Arten gehören zur Familie der Hülsenfrüchte, eine der größten Familien im Pflanzenreich. Der deutsche Name beschreibt die Form der Früchte, nämlich ein zu einer Hülse geformtes Blatt, das sich im reifen Zustand öffnet und die Samen freigibt. Botanisch werden sie bezeichnet als Leguminosen oder Schmetterlingsblütler, da ihre Blütenblätter aussehen wie bunte Falter. Die verschiedenen Arten weisen vielfältige Unterschiede in ihrer Form und Größe auf. Denn zu den Leguminosen zählen unter anderem ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen (z. B. Linsen), aber auch Sträucher (z. B. Ginster) oder sogar Bäume (z. B. Akazie). Besonders in Hinblick auf die Verwendung der Körner ist zudem die Unterteilung in großkörnige (z. B. Erbse, Ackerbohne, Lupine) und kleinkörnige (z. B. Klee, Luzerne) Leguminosen wichtig.

Bei den großkörnigen Leguminosen werden nur die in Schoten oder Hülsen ausgereiften Samen, also die Körner, verwendet, weshalb sie auch als Körnerleguminosen bezeichnet werden. Zu dieser Untergruppe zählen beispielsweise Ackerbohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Erdnüsse und Sojabohnen. Als bedeutende Lieferanten für pflanzliches Eiweiß bieten sie einerseits für den Menschen eine Alternative zu tierischem Eiweiß wie Fleisch oder Eiern. Gleichzeitig liefern sie eine regionale und gentechnikfreie Eiweißquelle zur Fütterung von Nutztieren mit einem hohen Eiweißbedarf. Alle Arten der Hülsenfrüchte weisen eine große Sortenvielfalt auf, es gibt allein ca. 70 Sorten verschiedener Linsen und mehr als 700 Bohnensorten.

Kleinkörnige Leguminosen weisen im Vergleich mit großkörnigen Leguminosen ein niedrigeres Tausendkorngewicht (TKG) auf, also das Gewicht von 1000 Körnern. Sie werden zur Fütterung von Wiederkäuern und Schweinen eingesetzt, woraus sich die Bezeichnung als Futterleguminosen ableitet. Dabei wird die gesamte Pflanze genutzt und nicht nur die Körner. Unter diese Gruppe fallen alle Klee- und Luzernearten, besonders bekannte Arten sind der Rot- und Weißklee. Durch den hohen Eiweißgehalt und die Schmackhaftigkeit stellen sie ein optimales Futter dar. Besonders für die ökologische Landwirtschaft ist der Anbau von Feinleguminosen unerlässlich, da sie durch die natürliche Stickstoffbindung den Einsatz von synthetisch hergestellten Düngemitteln ersetzen. Außerdem tragen sie zum Humusaufbau und zur Bodenverbesserung bei. Je nach Verwendungszweck werden kleinkörnige Leguminosen meist in Mischungen mit Gräsern und zunehmend auch mit Kräutern angebaut. Entscheidend für gute Erträge und eine hohe Futterqualität ist, dass die Arten und Sorten optimal zum Standort passen.

Zahlreiche Hülsenfrüchte besitzen eine lange Tradition und werden bereits seit Jahrhunderten kultiviert. So gab es Kichererbsen schon vor 10.000 Jahren in Asien. Im Mittelalter zählten Ackerbohnen sowie Erbsen und im alten Ägypten Linsen zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Auf der ganzen Welt sind Bohnen, Erbsen, Linsen und Co. sehr beliebt und verzeichnen besonders in anderen Kulturen einen hohen Stellenwert in der täglichen Ernährung. Hier in unseren Breitengraden wurden Hülsenfrüchte nach den Kriegszeiten zeitweise als „Arme-Leute-Essen“ abgestempelt. Durch die Datenbank „Historisch genutztes Gemüse“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung wird deutlich, dass derzeit nahezu zwei Drittel aller Bohnen- und Erbsensorten als verschollen gelten und knapp 500 historische Hülsenfruchtsorten auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen zu finden sind. Doch ihre Bedeutung für die Ernährung und Landwirtschaft nimmt wieder zu und in Deutschland werden in den letzten Jahren immer mehr Hülsenfrüchte erzeugt und weiterverarbeitet. Viele politische und gemeinnützige Projekte unterstützen diese Entwicklung, um einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Gesundheitsförderung zu leisten.

Quellen:

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2023): Anbau und Verwertung kleinkörniger Leguminosen. Bonn.

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2024): Feinleguminosen in der Fruchtfolge. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oeko-futterbau-und-gruenland/feinleguminosen-in-der-fruchtfolge/#:~:text=Feinleguminosen%20wie%20Rotklee%20oder%20Luzerne,sind%20sie%20ein%20optimales%20Futter (letzter Zugriff: 01.11.2025)

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2024): Tag der Hülsenfrüchte: Sortenvielfalt bei Bohnen, Erbsen und Co. https://www.genres.de/service/nachrichtenarchiv/nachrichtendetailseite?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=627&cHash=15297c3229034ed739170f7d82286186 (letzter Zugriff am 01.11.2025)

Freitag-Ziegler, G. (2025): Hülsenfrüchte: Auf dem Acker. Mehr Erbsen, Bohnen und Linsen aus Deutschland für Mensch und Umwelt. Bundeszentrum für Ernährung. Bonn. https://www.bzfe.de/kueche-und-alltag/vom-acker-bis-zum-teller/huelsenfruechte/huelsenfruechte-auf-dem-acker (letzter Zugriff am 01.11.2025)

Foto: Weißklee (Pexels, Credit: J B)