Hülsenfrüchte als Schlüssel zu einer nachhaltigen Landwirtschaft

Von Laura Olewski | Beitragsbild: Junge Erbsen (©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler)

Wenn es darum geht, unsere Landwirtschaft und Ernährung nachhaltiger zu gestalten, verfügen Hülsenfrüchte über ein großes Potenzial. Mit Blick auf den Klimawandel, wirtschaftliche und politische Krisen ist es wichtig, die zukünftige Ernährungssouveränität zu fördern und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Deshalb hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die sogenannte Eiweißpflanzenstrategie entwickelt, die
darauf abzielt, das Angebot und die Nachfrage heimischer Hülsenfrüchte zu stärken. Die Dringlichkeit wird durch ihre Verankerung in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sowie in der Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) deutlich. Durch die Strategie und das Ausweiten der Anbauflächen können Ökosysteme und Ressourcen geschützt, die regionale Wertschöpfung sowie die Eiweißversorgung mit heimischen, gentechnisch nicht veränderten Produkten gefördert werden. Forschungsprojekte und die praktische Wissensvermittlung bilden die Grundlage für das Erreichen dieser Ziele.

Vorteile des Anbaus von Leguminosen (BMEL 2020, S. 7)

  • Auflockerung enger Fruchtfolgen – Erhöhung der Agrobiodiversität
  • Lieferung zusätzlicher Trachten für Honig- und Wildbienen
  • Reduzierter Einsatz von Stickstoffdüngemitteln und dadurch CO2-Einsparung und höhere Energieeffizienz
  • Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit
  • Positive Humuswirkung
  • Positive phytosanitäre Einflüsse im Rahmen der Fruchtfolge
  • Positiver Beitrag zum integrierten Pflanzenschutz
  • Besseres Wasserhaltevermögen der Böden
  • Zunahme der Regenwurmpopulation
  • Tiefe Durchwurzelung, Aufschluss von Bodenschadverdichtungen

Symbiose zwischen Hülsenfrüchten und Knöllchenbakterien

Ein besonderes Merkmal von Hülsenfrüchten ist, dass ihre Wurzeln eine Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien (Rhizobien) eingehen. Es gibt viele verschiedene Bakterienstämme, die jeweils spezifisch für die entsprechenden Leguminosenarten sind. Falls keine passenden Bakterien in den heimischen Böden vorhanden sind, müssen die landwirtschaftlichen Flächen beimpft werden. Ihren Namen haben Knöllchenbakterien der Tatsache zu verdanken, dass sie sich in den Wurzelzellen der Leguminosen vermehren und Wucherungen in Form von Wurzelknöllchen ausbilden. Dort tauschen die Rhizobien mit der Pflanze Nährstoffe aus, eine Win-Win-Situation. Während die Bakterien Stickstoff aus der Luft binden und ihn für die Leguminosen nutzbar machen, versorgen die Pflanzen die Bakterien mit Kohlenhydraten aus der Fotosynthese. Durch diese Symbiose wird mehr des elementaren Stickstoffs gebunden als die Pflanzen für den eigenen Bedarf benötigen. Nach der Ernte sind im Boden bis zu 30 bis 70 Kilogramm Stickstoff pro Hektar verfügbar, im Gegensatz dazu verbraucht z. B. Weizen beim Anbau etwa 230 Kilogramm Stickstoff pro Hektar. Nachfolgende, auch nicht-legume Kulturen können mit dem überschüssigen Stickstoff versorgt werden. So ersetzen Hülsenfrüchte den Einsatz von Stickstoffdüngern und verbessern die Bodenqualität. Aus diesem Grund spielen sie eine wichtige Rolle im ökologischen Landbau, da sie sowohl für die Fruchtfolgegestaltung sowie als Futterpflanzen unverzichtbar sind und chemisch-synthetische Stickstoffdünger verboten sind. Aufgrund der langen Standzeit verbessert besonders der Anbau von mehrjährigen Feinleguminosen die Bodenfruchtbarkeit. Außerdem fixieren sie mehr Luftstickstoff als Körnerleguminosen, da bei den großkörnigen Arten ein beachtlicher Teil des Stickstoffs durch die Ernte der Druschfrüchte wieder verloren geht. Trotzdem führt auch der Anbau von Körnerleguminosen zu einer positiven Stickstoffbilanz.

Industrielle Stickstoffproduktion

Damit Pflanzen Proteine bilden können, brauchen sie eine ausreichende Versorgung mit Stickstoff, ihrem wichtigsten Nährstoff. Das Element ist folglich essenziell sowohl zur Erzeugung von pflanzlichen Eiweißquellen für den Menschen als auch für Nutztiere. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde vor diesem Hintergrund eine chemische Methode entwickelt, das sogenannte Haber-Bosch-Verfahren, um Düngemittel industriell, in großen Mengen und kostengünstig herstellen zu können. Dabei wird Luftstickstoff in Ammoniak umgewandelt und daraus werden stickstoffhaltige, künstliche Düngemittel erzeugt. Kritisch an dieser Vorgehensweise ist der immense Energie- und Mineralölverbrauch. Im Vergleich handelt es sich beim Leguminosenanbau durch die natürliche Stickstofffixierung um eine deutlich nachhaltigere Alternative.

Bild: Busch-Bohnen im Freilandbeet (©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan)

Weitere ökologische Vorteile des Leguminosenanbaus

Darüber hinaus verzeichnet das weit verzweigte und tiefe Wurzelsystem der Hülsenfrüchte weitere positive Effekte auf den Boden. Dazu zählen das Aufbrechen von unerwünschten Bodenverdichtungen und das Aufschließen sowie Verfügbar machen von anderen wichtigen Nährstoffen (z. B. Phosphat). Außerdem bieten abgestorbene Wurzeln im Herbst eine gute Nahrungsquelle für viele Lebewesen, die Teile davon in Humus umwandeln. Diese positiven Folgen werden auch in den Ertragszahlen ersichtlich, denn mit darauffolgenden Kulturen können deutlich gesteigerte Erträge erreicht werden. In Hinblick auf die eigene Ernährung kann dieses Wissen dazu beitragen, dass Hülsenfrüchte einmal mehr wertgeschätzt werden und damit einhergehend nochmal besser schmecken, als sie es ohnehin schon tun.

Luzernepflanze mit kräftigen Wurzeln (©BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan)

Quellen

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2020): Ackerbohne, Erbse & Co. Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Förderung des Leguminosenanbaus in Deutschland. Berlin.

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2025): Anbau von Körnerleguminosen in der ökologischen Landwirtschaft. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-ackerbau-was-aendert-sich-durch-die-umstellung/koernerleguminosenanbau/ (letzter Zugriff: 07.11.2025)

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2018): Schmetterlinge im Bauch? Heimische Hülsenfrüchte im Fokus. Bonn.

Böhm H., Bohne B, Brandhuber R. et al. (2014): Körnerleguminosen und Bodenfruchtbarkeit. Strategien für einen erfolgreichen Anbau. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Bonn.

Umweltbundesamt (o. J.): Was ist das Haber-Bosch-Verfahren? https://www.umweltbundesamt.de/umweltatlas/reaktiver-stickstoff/verursacher/energiewirtschaft-industrie/was-ist-das-haber-bosch-verfahren (letzter Zugriff: 07.11.2025)

information.medien.agrar e.V. (2016): Der Clou mit den Knöllchen. Leguminosen als Eiweißgewinner. https://www.ufop.de/files/2114/6669/1747/16-369_AGR_lmp_Heft-25_UB-Knollchen_fur-Partner_WEB.pdf (letzter Zugriff: 07.11.2025)

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (2024): Feinleguminosen in der Fruchtfolge. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oeko-futterbau-und-gruenland/feinleguminosen-in-der-fruchtfolge/#:~:text=Feinleguminosen%20wie%20Rotklee%20oder%20Luzerne,sind%20sie%20ein%20optimales%20Futter (letzter Zugriff: 01.11.2025)